volvamos al mar

  • 2015
  • Quemchi Chile
  • Photography,Text

(Kehren wir zurück ins Meer)

Das Bild eines schwimmenden Hauses ist ein Bild, das in Chiloé viel länger existiert als die Tourismusindustrie. Es ist ein Bild, das wir, die Chiloten, gut kennen.

Die "Minga de la Tiradura de Casa" (Minga des Haus-Umzuges) besteht darin, ein Haus von einem Ort zum anderen zu transportieren. Inselbewohner, die diesen Weg des Umzuges wählen, sind Kleinbauern mit wenig Geld. Sie flehen bei Freunden und Nachbarn um Hilfe für diese Grossaktion, bei der ihr gesamtes Hab und Gut aus sozialen oder ökonomischen Gründen in anderes Gelände gezügelt wird.

"Minga" bedeutet in der indianischen Sprache Quechua "kollektive Arbeit für das Wohl der Gemeinschaft" und ist eine präkolumbianische Tradition aus Peru, Ecuador, Bolivien und Chile.

Dieses Foto habe ich am 31. Januar 2010 auf der Insel Chiloé in Chile aufgenommen. Das Haus befindet sich in einem Moment des Übergangs: Es wartet im Meer darauf, nach Quemchi gezogen zu werden, wo es später als das neue Haus Museum Francisco Coloane eingeweiht wird. Der Schriftsteller Francisco Coloane wurde 1910 in Quemchi geboren, war nationaler Literaturpreisträger und seine Bücher wurden in verschiedene Sprachen übersetzt.

Ich sah Francisco Coloane ein einziges Mal. Da verliess er gerade das Haus meiner Grossmutter Candelaria Andrade in Queilen. Deren Sohn, mein Onkel Libio García, war damals Bürgermeister des Dorfes, er hatte den Schriftsteller eingeladen.

Coloane sagte einmal:

"Mein Haus wurde zur Hälfte am Land und zur Hälfte über dem Meer gebaut. Wenn die Flut stieg, war das Meer unter dem Boden in meinem Schlafzimmer. "

Dieses Haus hat in den zwei Tagen der Tiradura de Casa denselben Weg zurückgelegt, wie Francisco Coloane jeden Tag, als er von Tubildad nach Quemchi zur Schule ging. In dieser Zeit, als er neun Jahre alt war, starb sein Vater, Kapitän Juan Agustin Coloane. "Kehren wir zurück ins Meer" waren die letzten Worte, die er zu seinem Sohn flüsterte.