dossiers

  • 2013
  • Bern Switzerland
  • Photography,Video,CV,Postkarten,Posters

“Dossiers – Flüchtlinge bewerben sich” war eine kantonale Kampagne, konzipiert für den nationalen Flüchtlingstag 2013. Die Porträtbilder anerkannter Flüchtlinge (F-Status) aus Eritrea, Afghanistan oder Iran wurden an Ausstellungen in Biel, Bern und Langenthal gezeigt.

Der chilenische Künstler Enrique Muñoz García hat Flüchtlinge auf Arbeitssuche porträtiert. Damit verleiht er einem sozio‐ökonomischen Zustand, der uns normalerweise nur anonym und abstrakt begegnet, ein ‹Gesicht›. Wer auf Arbeitssuche ist, legt der Bewerbung meist einen Lebenslauf bei. Der Lebenslauf bringt Ausbildungs‐ und Erwerbsereignisse in eine chronologische Abfolge – er stellt also eine Biographie her. In aller Regel wird das Curriculum mit einem kleinen Foto ergänzt, das einen Bezug zum Geschriebenen herstellt. Enrique Muñoz García kehrt dieses Prinzip um: Er zeigt uns grossformatige Porträts von Menschen, deren Lebenslauf Bücher füllen würde, fast ganz ohne Text. So wird unser Blick frei für das Antlitz dieser Menschen, für eine Begegnung von Angesicht zu Angesicht.

Das klare Ziel der Kampagne war, nebst der Sensibiliserung, dass die Mitwirkenden Kontakte knüpfen und im besten Fall eine Arbeit finden können. Aus den Porträts sind Poster, Postkarten und richtige Bewerbungsdossiers entstanden.

“Dossiers” ist eine Zusammenarbeit von Enrique Muñoz García mit dem interkulturellen Begegnungszentrum Multimondo in Biel/Bienne.

Konzept: Lou Aufranc und Enrique Muñoz García
Fotografie und Video: Enrique Muñoz García
Text: Miriam Lenz
Grafik: Andrea Stebler
Fotoassistenz und Montage: David Porfirio

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«Der Fotograf und Künstler Enrique Muñoz García führt derzeit Fotosessions mit zehn ausgesuchten anerkannten Flüchtlingen sowie vorläufig Aufgenommenen (Frauen und Männer mit F-Status) durch. Sie stammen aus Eritrea, Afghanistan, Iran oder Irak, sind mehrheitlich Männer zwischen 30 und 50 Jahren mit unterschiedlichen Berufs- und Arbeitserfahrungen. «Meine eigene Lebensgeschichte hilft mir sehr, Vertrauen und Intimität für ausdrucksstarke Bilder zu schaffen», erzählt der engagierte Künstler. «Ich will das Beste von ihnen zeigen, nämlich Menschen, die stolz auf sich selber und ihre Qualitäten sind. Ihre Fähigkeiten stehen im Vordergrund, sicht- und spürbar mit einem professionellen Bild, eben genau so, wie heute ein selbstsicheres Bewerbungsdossier daherkommt». Basierend auf Interviews mit den Stellensuchenden verfasst die Texterin Miriam Lenz dazu einen gehaltvollen Bewerbungstext. Aus diesen Porträts entstehen eine digitale Fotoausstellung, Poster und Postkarten, die am nationalen Flüchtlingstag an verschiedenen Standorten im ganzen Kanton Bern lanciert werden. Später sollen Ausstellung und Bewerbungsdossiers gezielt auf geeigneten Webseiten abrufbar sein. «Das ermöglicht eine kostengünstige Verbreitung und Vernetzung mit wichtigen Organisationen, Anbietern und im Idealfall auch mit Arbeitgebenden», erklärt Anne Aufranc. «Im besten Fall verhilft die Kampagne den Mitwirkenden zu einer Stelle».»

Barbara Graf Mousa, Fluchtpunkt

«Die grossformatigen Bilder, die der chilenische Fotograf und Künstler Enrique Muñoz García von Flüchtlingen, die sich auf Arbeitssuche befinden, angefertigt hat, vermittelten zunächst einen Hauch Irritation: Der Blick des Betrachtenden wurde durch das leicht weichgezeichnete, unscharfe Gesicht hin zu den Augen dieser Menschen geführt, wo sich die gesamte Bildschärfe konzentrierte. So kamen die BesucherInnen nicht umhin, den Portrai- tierten in die Augen zu sehen und gleichsam von ihnen – den Beobachteten – beobachtet zu werden. Eine weitere formale Besonderheit gelang Muñoz García in der Umkehrung des Verhältnisses zwischen Bild- und Textin- formation, wie es beim Bewerbungsprozedere üblich ist. Während beim Bewerbungsschreiben und dem dazugehörigen Lebenslauf die Textinformation überwiegt, wurden zu den Bildern der Ausstellung nur kurze, eingängige Textfragmente gezeigt. Muñoz García stellte in der Aus- stellung also ganz den Menschen mit seinen Hoffnungen und Potentialen in den Mittelpunkt und rückte die oftmals problematisierte Biographie von Flüchtlingen für einmal etwas in den Hintergrund.»

Claudia Dubacher, Asylnews

«Es ist eine nüchterne Aufnahme. So, wie man sie auf einen Bewerbungsbogen vermuten würde – gewollt: Der chilenische Fotograf Enrique Muñoz García hat Nyein als potenziellen Arbeitnehmer abgelichtet. Stellvertretend für rund 22 000 Personen, die wie Nyein vorläufig in der Schweiz aufgenommen sind und grundsätzlich arbeiten dürfen oft aber nur schwer Anstellung finden. Darauf wollen die Veranstalter des Berner Flüchtlingstages am Samstag hinweisen, unter anderem mit einer Porträtserie über Arbeit suchende Flüchtlinge.»

Matthias Ryffel, Der Bund

exhibitions

  • 2013
  • National Refugee Day
  • St Peter und Paul Kirche.
  • Bern, Switzerland
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  • Messe
  • St Peter und Paul Kirche.
  • Bern, Switzerland
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  • Bibliothek.
  • Biel/Bienne, Switzerland

press

  • 2013
  • Der Bund
  • Uhrmacher und Flüchtling
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  • 2013
  • Berner Zeitung
  • Buchhalter im Iran, arbeitslos in der Schweiz
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  • 2013
  • Fluchtpunkt
  • Die Fluchterfahrung und der gesamte Integrationsprozess sind Ressourcen
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  • 2013
  • Asylnews
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